Nach meiner Zeit in den USA, wo ich mich an XXL-Burger und Coffee-to-go gewöhnt hatte, landete ich als KĂŒchenhilfe in einem französischen Strandrestaurant.
Schon am ersten Tag erlebte ich meinen ersten kulinarischen Kulturschock.
âWo willst du hin?â, rief der Chefkoch, als ich nach zwanzig Minuten Mittagspause aufspringen wollte.
Vor mir standen drei Teller: Vorspeise, Hauptgericht und Dessert.
âOn mange bien en Franceâ, erklĂ€rte die Chefin des Hauses, Mme Bloin,
wĂ€hrend die GĂ€ste genĂŒsslich ihren Wein schwenkten und der Duft nach Knoblauch und Meeresluft durch den Raum zog.
Die nÀchste Lektion kam mit dem Baguette.
Als ich es mit dem Messer schneiden wollte, erstarrte der Lehrling Michel.
âMais non! Ein Baguette bricht man!â â und er demonstrierte es mit der Inbrunst eines Priesters bei der Messe.
Doch der wahre Wendepunkt waren die Krabben.
Anfangs servierte ich mehr Schale als Fleisch, doch mit der Zeit wurde ich zur Zerlege-Meisterin.
âPas malâ, lobte der Chefkoch schlieĂlich â das höchste Kompliment, das man in einer französischen KĂŒche bekommen kann.
Als ich wenige Monate spÀter mein Studium begann, hatte ich nicht nur mein Französisch verbessert,
sondern auch verstanden:
In Frankreich ist eine Mahlzeit keine Unterbrechung des Tages â sie ist sein Höhepunkt.
Und bis heute kann ich kein Baguette mehr sehen, ohne es mit den HĂ€nden zu brechen.






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