Das leise Nein – Was ich über Direktheit in Thailand lernte

Veröffentlicht in: Interkulturelle Missverständnisse, Thailand | 0

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an eine meiner ersten Stunden – und zwar zum Thema Giving Directions. Perfekt vorbereitet mit der PPP-Methode, bunten Kärtchen und einem Rollenspiel.

Aufgabe: „Sagt eurem Gegenüber laut No! wenn er oder sie falsche Anweisungen gibt.“

Doch als ich die Schüler*innen bat, aktiv zu korrigieren, passierte etwas Merkwürdiges:
– Stille.
– Lächeln.
– Kein einziges „No!“ – obwohl die Hälfte die Fehler hörte.

Ich dachte: „Sie checken die Aufgabe nicht.“ Also wiederholte ich lauter: „Don’t be shy! Say NO if it’s wrong!“

Resultat:
– Ein Mädchen flüsterte endlich etwas – nicht „No“, sondern „Not correct… maybe?“

📸 Foto: Drei thailändische Schülerinnen – nachdenklich, verlegen, lächelnd. Ein stilles Bild über Respekt, Zurückhaltung und das unausgesprochene „No“

Mein in Thailand lebender schottischer Mentor grinste:

 

„In Thailand sagt man nie direkt Nein. Du hättest fragen müssen: ‘Is this 100 % right?’ – dann hätten sie gelacht und ‘No!’ gesagt.“

In diesem Moment verstand ich: Auch das beste Unterrichtskonzept funktioniert nur, wenn man die kulturelle Bedeutung hinter den Worten kennt.

💭
Gedanke zum Mitnehmen
In Thailand bedeutet „Nein“ nicht Widerspruch, sondern Rücksicht.
Manchmal ist Freundlichkeit wichtiger als Recht zu haben.

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