Jeden Tag aufs Neue berührte mich dieses Ritual: Während sich die Schüler*innen einzeln aus dem Klassenzimmer begaben, blieben sie kurz in der Tür stehen, falteten die Hände zum traditionellen Wai, neigten leicht den Kopf und sagten mit warmer Stimme: „Khob khun ka, Teacher.“ – Danke, Lehrerin. Was zunächst wie eine reine Höflichkeitsgeste wirkte, offenbarte eine tiefere Bedeutung, als unser in Thailand lebender Schulleiter erklärte: „In unserer Kultur ist der Lehrerberuf nach dem des Mönchs der wichtigste. Ihr schenkt nicht nur Wissen – ihr formt Charaktere. Deshalb verdient ihr unseren Wai.“
Was mich diese täglichen Momente lehrten: Respekt als Dialog: Anders als im Westen, wo Autorität oft Distanz schafft, war dies eine wechselseitige Wertschätzung – meine Schüler respektierten mich als Lehrende, ich bewunderte ihre Lernbereitschaft. Die Macht der Rituale: Dieses kleine, aber konsequente Ritual schuf eine fast heilige Atmosphäre des Lernens – jeder spürte: Hier passiert etwas Bedeutsames. Kulturübergreifende Lehre: Heute ermutige ich meine Schüler in Deutschland, eigene Formen der Wertschätzung zu finden – vielleicht einfach mit einem freundlichen „Hallo“ zu Beginn oder einem Lächeln zum Abschied. In Thailand verstand ich: Unterrichten ist keine Dienstleistung – es ist eine Berufung, die im Kleinen beginnt. Manchmal mit zwei gefalteten Händen und einem leisen „Danke“.

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Gedanke zum Mitnehmen
Wahrer Respekt entsteht nicht durch Regeln, sondern durch Begegnung. Wer mit offenem Herzen lehrt, wird selbst reich beschenkt.






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