Rotzsalven am Morgen – Kulturschock mit Weitwurf

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Eines Morgens in Peking stand ich noch halb verschlafen an der Busstation, als plötzlich ein Mann neben mir zur Höchstform auflief: Mit stoischer Ruhe drückte er sich ein Nasenloch zu und katapultierte eine Rotzsalve in beeindruckender Flugbahn quer über die Straße.

Ich war so schockiert, dass ich fast meinen Bus verpasste – so eine spontane „Performance“ hatte ich wirklich noch nie live erlebt! Mein erster Gedanke: Das kann doch nicht sein Ernst sein! Doch während ich noch versuchte, das Gesehene zu verarbeiten, blieb die Umgebung vollkommen ungerührt. Niemand schaute auf, niemand runzelte die Stirn. Es war, als hätte ich gerade ein ganz normales Morgenritual beobachtet.

📸 Foto einer Schlange von Menschen, die morgens auf den Bus warten

 Mit der Zeit fiel mir auf, dass vor allem Männer diese Technik beherrschten – und das mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre es Teil des morgendlichen Fitnessprogramms. Ich gewöhnte mich irgendwann daran, hielt aber dennoch einen Sicherheitsabstand ein. Selbst ausprobiert habe ich es nie – meine deutsche Erziehung und mein Schamgefühl waren dann doch stärker.

Später erfuhr ich, dass Spucken und Rotzen in China eine lange Tradition hat und früher sogar als gesund galt, um „schlechte Luft“ loszuwerden. China lehrt einen eben viele Eigenheiten – manche nimmt man mit Humor, andere lässt man lieber bleiben.

Doch genau darin liegt das Schöne am Reisen: Was uns im ersten Moment befremdet, wird im zweiten zur Einladung, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

💭
Gedanke zum Mitnehmen
Kulturschock entsteht nicht durch das, was passiert,
sondern durch das, was wir darüber denken.
Wer bereit ist, kurz innezuhalten, entdeckt hinter dem Ekel oft nur eine andere Art von Normalität.

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