
2004 in Peking fiel mir beim ersten Taxifahren sofort etwas auf: Zwischen mir und dem Fahrer spannte sich ein massives Gitter – als säße ich im Besucherraum eines Gefängnisses. Zuerst war ich irritiert und fragte mich, ob das eine chinesische Tradition oder einfach ein besonders sicheres Taxi war.
Schon bald erfuhr ich, dass diese Gitter eine Reaktion auf die damals zunehmenden Überfälle auf Taxifahrer waren. In einer Stadt mit über zehn Millionen Einwohnern war das Risiko schlicht zu groß, um ohne Schutz unterwegs zu sein.
Das klassische „freie“ Taxi-Gefühl, das ich aus anderen Ländern kannte, war hier durch ein paar Stäbe ersetzt. Anfangs fühlte ich mich befremdet – eingeschränkt, irgendwie distanziert. Doch im wilden Pekinger Verkehr, wo Hupen, Drängeln und spontane Spurwechsel an der Tagesordnung waren, bekam das Gitter plötzlich eine neue Bedeutung: Es vermittelte mir Sicherheit.
So wurde das „Gefängnisgitter“ für mich zum Sinnbild dafür, dass Grenzen nicht immer etwas Negatives sind. Manchmal geben sie Halt in einem Chaos, das wir allein kaum steuern könnten. Und inmitten des hupenden Verkehrs begann ich zu verstehen: Freiheit und Sicherheit schließen sich nicht aus – sie balancieren sich gegenseitig.
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Gedanke zum Mitnehmen
Manchmal braucht es keinen großen Schritt, um Grenzen zu überwinden –
Grenzen sind nicht immer Barrieren.
Manchmal sind sie der Rahmen, der uns erlaubt, uns sicher zu bewegen.
Entscheidend ist nicht, was uns trennt – sondern wie wir es betrachten.






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