Kulturschock am Esstisch

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Einfaches Abendessen in Kaifeng: Menschen essen gemeinsam, Essensreste liegen auf dem Boden – Teil der chinesischen Alltagskultur.

Während meines dreimonatigen Aufenthalts in China unternahmen wir von Kaifeng aus einen Wochenendausflug in die Yuntaishan-Region. Dort übernachteten wir in einer einfachen Unterkunft, die aus mehreren kleinen Zimmern rund um einen Innenhof bestand.

Das Abendessen war für mich ein kleiner Kulturschock: Der Tisch stand mitten im Hof, umgeben von den Zimmern. Es wurde geschmatzt, gerülpst – und die Essensreste landeten beherzt auf dem Boden. Das gehörte hier ganz selbstverständlich zum guten Ton!

Zunächst war ich schockiert, als beim Essen Essensreste auf den Boden gespuckt wurden. In Deutschland wäre das undenkbar! Doch während ich noch versuchte, das Gesehene einzuordnen, fiel mir auf, dass niemand in meiner Umgebung irritiert war. Hier war das schlicht normal.

Später lernte ich, dass dieses Verhalten keineswegs überall in China üblich ist. In feineren Restaurants und bei Geschäftsleuten geht es deutlich gesitteter zu. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Esskultur selbst innerhalb eines Landes sein kann – und dass Offenheit und Neugier helfen, auch ungewohnte Situationen mit Humor zu nehmen.

Was für mich zunächst befremdlich war, wurde rückblickend zu einer wertvollen Lektion in Gelassenheit: Es geht nicht darum, alles zu verstehen – sondern bereit zu sein, es nicht sofort zu verurteilen.

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Gedanke zum Mitnehmen
Je weniger wir vergleichen, desto leichter können wir verstehen.
Offenheit beginnt dort, wo unsere Gewohnheiten enden.

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