Kaffeeklatsch auf der öffentlichen Toilette

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Während meines Aufenthalts in Peking wohnte ich in einem der ärmsten Viertel der Stadt, in einem der berühmten Hutongs – den engen, labyrinthartigen Gassen voller Geschichte, Nachbarschaft und Alltag.
Nichts jedoch bereitete mich auf das vor, was ich eines Tages in einer öffentlichen Toilette erlebte.

Aus reiner Neugier – und vielleicht auch ein bisschen aus Mutprobe – entschied ich mich, einen Blick hineinzuwerfen.

📸 Aufgehelltes Foto der öffentlichen Toilette im Hutong

Was ich sah, war eine Szene, die ich so schnell nicht vergessen würde: Menschen hockten entspannt über Löchern im Boden, die mich unweigerlich an Futtertröge erinnerten. Doch anstatt sich zu beeilen, waren sie tief in Gespräche vertieft, lachten, tauschten Geschichten aus – als säßen sie auf einem gemütlichen Dorfplatz.

Ich stand da, sprachlos und fasziniert zugleich. Nach dem ersten Schock wich mein Erstaunen einer stillen Bewunderung: Hier wurde etwas sichtbar, was wir im Westen oft verlieren – die völlige Natürlichkeit, mit der Menschen ihr Leben teilen, egal an welchem Ort.

Privatsphäre hatte hier eine andere Bedeutung. Und vielleicht war genau das der Grund, warum diese Szene mir so im Gedächtnis blieb: Sie zeigte mir, dass Nähe dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet.

💭
Gedanke zum Mitnehmen
Kulturelle Grenzen verlaufen selten dort, wo wir sie vermuten.
Offenheit bedeutet manchmal einfach, den Blick nicht abzuwenden –
sondern neugierig zu bleiben und zu verstehen, was dahinter steckt.

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