In Peking im Jahr 2004 fiel mir in einem Elektronikladen ein kleiner Junge auf, der sich auf einem Hocker streckte. Seine Hose hatte einen auffälligen Schlitz, und ich dachte: „Der Arme hat wohl kaputte Klamotten.“
„Die Eltern könnten ihm mal eine neue Hose gönnen“, ging mir durch den Kopf, und ich dachte nicht weiter darüber nach.

Doch im Laufe meines dreimonatigen Aufenthalts sah ich immer mehr Kinder mit solchen Hosen. Irgendwann wurde mir klar: Das war kein Zufall! Diese Hosen hatten eine Funktion – die Kinder konnten sich jederzeit erleichtern, ohne auf Windeln angewiesen zu sein.
Was mir anfangs kurios oder gar bedauerlich erschien, stellte sich schließlich als clevere, alltagstaugliche Lösung heraus. Es war eine einfache, umweltfreundliche und kostensparende Alternative – ganz selbstverständlich im chinesischen Alltag verankert.
Je öfter ich diese Hosen sah, desto mehr verstand ich, wie unterschiedlich Alltagserfindungen je nach kulturellem Hintergrund sein können – und dass hinter vielem, was uns fremd erscheint, oft eine pragmatische Logik steckt.
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Gedanke zum Mitnehmen
Manchmal sehen wir etwas Ungewohntes –
und halten es für seltsam, nur weil wir es nicht kennen.
Wer neugierig bleibt, entdeckt darin oft eine Form von Einfachheit und Erfindungsgeist.






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