Gemeinsam nähen – eine hutterische Lektion in Gemeinschaft

Veröffentlicht in: Begegnung mit den Hutterern | 0

Schon beim Betreten der hutterischen Nähstube wurde mir klar, wie wichtig dieses Handwerk für die Gemeinschaft ist. Reihen von Arbeitsplätzen, weiße Wände ohne Dekoration, das gleichmäßige Summen der Nähmaschinen – nichts Ablenkendes, nichts Überflüssiges. Ein Raum, der gemacht ist fürs Tun.

Ich fragte eine Frau, ob sie ihre Kleidung wirklich selbst nähen.
Sie lächelte.
„Natürlich. Meine Mutter hat’s mich gelehrt. Und ihre Mutter sie.“
Ein Satz, der so schlicht klang – und doch ein ganzes Weltbild trug.

Schlichte Nähstube der Hutterer – hier entsteht Kleidung, die wirklich geschätzt wird.

Während ich den Raum betrachtete, wurde mir ein Gedanke bewusst, der mich seitdem nicht mehr loslässt:
Wie anders gehen wir in unserer Gesellschaft mit Kleidung um.
Wir kaufen viel, oft, ohne nachzudenken. Kleidung wird fast nebenbei konsumiert, landet irgendwann in überfüllten Containern und wird manchmal nicht einmal angenommen, selbst wenn man sie verschenkt.

Hier dagegen entsteht jedes Stück mit Zeit, mit Sorgfalt, mit Können – und wird entsprechend geschätzt.
Nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung.
Nicht als Zwang, sondern als gelebte Verbindung: zu früheren Generationen, zueinander, zu ihrem Lebensstil.

Als wir erfuhren, dass die Nähstube nur ein kleiner Teil ihrer Selbstversorgung ist, ergab alles ein großes Ganzes. Die Hutterer backen ihr Brot selbst, bauen fast alles Nötige an, reparieren Geräte und Werkzeuge. In einer Welt, die immer schneller wird, wirkt ihr Alltag fast wie ein Gegenentwurf:
weniger besitzen, mehr wertschätzen.
weniger kaufen, mehr verbinden.

 
  💭
  Gedanke zum Mitnehmen
 
 
Wenn etwas mit eigenen Händen entsteht, bekommt es einen Wert, den kein Preisschild ausdrücken kann.
Vielleicht geht es im Leben weniger darum, vieles zu besitzen – sondern darum, das Wenige wirklich zu schätzen.

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