In einem der schlichten Gebäude der Kolonie in der Nähe von Aberdeen standen drei Mädchen nebeneinander – zwei Jugendliche und ein kleines Kind. Alle drei in den typischen hutterischen Kleidern, die dunkelblauen Kopftücher sorgfältig gebunden. Ihr Anblick wirkte wie eine Brücke durch die Zeit: dieselben Schnitte, dieselben gedeckten Farben, wie sie schon ihre Urgroßmütter getragen hatten.

Doch das eigentlich Faszinierende war nicht die Kleidung.
Es war der Moment zwischen ihnen.
Das kleinere Mädchen blickte lachend zur Älteren hinauf, als würde sie sich Bestätigung holen. Die Ältere erwiderte das Lächeln sofort – ganz selbstverständlich, ohne Pose. Und das Mädchen in der Mitte lachte so warm und offen, als wäre das gemeinsame Lachen eine Sprache, die jeder in dieser Gemeinschaft fließend spricht.
Während ich die drei beobachtete, wurde mir eines bewusst:
Hier wird Zusammenhalt nicht erklärt, sondern vorgelebt.
Die Mädchen wirkten nicht wie Einzelne, sondern wie Teil eines stabilen Netzes – getragen von Rollen, die sie kennen, und Beziehungen, die im Alltag entstehen.
In vielen modernen Gesellschaften lernen Kinder früh, „eigenständig“ zu wirken, unabhängig, individuell.
Hier schien es um etwas anderes zu gehen:
um Verbundenheit, um Wir, um Gemeinschaft als Identität.
Und dieses kleine Lachen zwischen den dreien erzählte mehr über ihre Kultur als jede Chronik es könnte.
💭
Gedanke zum Mitnehmen
Manchmal zeigt sich kultureller Unterschied nicht in großen Ritualen, sondern in der Art, wie Menschen miteinander sind. Ein Blick, ein Lächeln oder eine kleine Geste kann verraten, welches „Wir-Gefühl“ eine Gemeinschaft trägt.





Schreibe einen Kommentar