Usbekistan: Wie wir zufällig Hochzeitsgäste wurden – und was ich über Vertrauen gelernt habe

Veröffentlicht in: Post-sowjetischer Raum | 0

Wenn ich an Bukhara denke, sehe ich bis heute Farben, die ich nirgendwo anders auf der Welt erlebt habe: Ockerfarbene Lehmmauern, türkis schimmernde Kacheln, enge, verwinkelte Altstadtgassen – als wäre man in ein lebendiges Mittelalter-Szenario gefallen. Für mich war Usbekistan 2016 eine der exotischsten Reisen überhaupt, und Bukhara der Höhepunkt: warm, geheimnisvoll, gastfreundlich.

Doch das, was sich an einem unscheinbaren Vormittag in der Altstadt ereignete, hätte ich niemals geplant.

Wir schlenderten gerade durch die Gassen, als uns ein junges usbekisches Paar ansprach. Kurz Small Talk – woher wir sind, wie uns die Stadt gefällt – und plötzlich kam die Einladung, ausgesprochen mit dieser wunderbaren, herzlichen Selbstverständlichkeit:

„Kommt heute Abend zu unserer Hochzeit!“

Wir sahen uns an. War das ernst gemeint?
Es war ernst gemeint.

Und so standen wir ein paar Stunden später in einem großen, prunkvoll dekorierten Festsaal, funkelnde Lichter, meterweise Stoffe, alles festlich geschmückt – und wir waren mittendrin. Wir, die Fremden, die eigentlich nur einen Stadtausflug geplant hatten.

Besondere Gäste – ohne besonderen Grund

Kaum hatten wir Platz genommen, wurden wir wie Ehrengäste behandelt. Die Familie setzte uns direkt an ihren großen Tisch – prall gedeckt, reich, üppig, ein wahres Festbankett. Und jedes Mal, wenn wir glaubten, jetzt hätten wir wirklich genug, wurde erneut nachgelegt.

„Probiert das! Und das! Und das auch noch!“

„Probiert das! Und das! Und das auch noch!“
Wir gaben irgendwann einfach auf und ließen uns kulinarisch treiben.

Später kam der Moment, den ich nie vergessen werde: Die Tradition wollte es, dass Gäste der Braut Geld ans Kleid stecken – und so stand sie da, über und über geschmückt mit flatternden Geldscheinen. Wir durften auch. Ein Moment irgendwo zwischen Rührung und völliger Überraschung, wie selbstverständlich wir in dieses intime Fest integriert wurden.

Und dann: Tanzen, lachen – und ein Déjà-vu

Natürlich wurde getanzt. Viel getanzt. Und laut gelacht. Und mittendrin trat plötzlich ein Mann auf, ein berühmter usbekischer YouTuber, wie uns alle freudig erklärten.

Das eigentlich Lustige daran?
Wir kannten ihn bereits.
Wir hatten ihn am Vortag im Zug nach Bukhara getroffen – im Speisewagen, wo wir mit ihm und anderen Reisenden völlig überraschend gefeiert hatten. Und jetzt stand er hier, auf der Bühne einer Hochzeit, auf der wir wieder völlig überraschend gelandet waren.

Usbekistan hatte offenbar seine ganz eigenen Pläne für uns.

 
  💭
  Gedanke zum Mitnehmen
 
 
Manchmal öffnen sich die schönsten Türen, wenn wir einfach nur ‚Ja‘ sagen. Und oft zeigen uns Fremde damit, wie nah wir uns als Menschen eigentlich sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert