Als deutsche Studentin in South Dakota war ich fest davon überzeugt: Minusgrade bedeuten Mütze, Schal und alles, was warm hält.
Doch schon nach wenigen Tagen auf dem Campus in Aberdeen wurde mir klar, dass diese Logik eher ein Stück deutscher Alltagskultur ist – und keineswegs weltweit geteilt wird.
Während ich mich bei –5 °C noch ordentlich einpackte, joggten meine Kommilitonen in Shorts und Flip-Flops über den Campus, als hätten sie eine persönliche Wette mit dem Winter abgeschlossen. Bei 0 °C war ich schließlich die einzige mit Mütze, umgeben von Menschen, die sich verhielten, als hätte der Frühling spontan vorbeigeschaut.
In South Dakota lernte ich schnell: Kälte ist Verhandlungssache.
Und offensichtlich gehört es zur lokalen Identität, so zu tun, als gäbe es sie gar nicht.
Mein deutscher Pragmatismus – „Zieh dich warm an, sonst wirst du krank!“ – wirkte plötzlich wie eine liebevolle Eigenart, die ich erst im Ausland als solche erkannte.
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Gedanke zum Mitnehmen
Manchmal zeigt sich kultureller Unterschied nicht in großen Themen, sondern in kleinen Alltagsgesten. Freiheit Manchmal entdecken wir durch andere Kulturen, dass unsere eigenen „Selbstverständlichkeiten“ eigentlich Entscheidungen sind.
Wenn wir lernen, dass auch vertraute Routinen flexibel sein dürfen, entsteht Raum für Gelassenheit – und vielleicht auch für die Erkenntnis, dass Grenzen oft im Kopf anfangen… und dort auch wieder verschwinden können.






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