🥖Die verlorene Stunde

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Nach meiner Zeit in den USA, wo ich mich an XXL-Burger und Coffee-to-go gewöhnt hatte, landete ich als Küchenhilfe in einem französischen Strandrestaurant.
Schon am ersten Tag erlebte ich meinen ersten kulinarischen Kulturschock.

„Wo willst du hin?“, rief der Chefkoch, als ich nach zwanzig Minuten Mittagspause aufspringen wollte.
Vor mir standen drei Teller: Vorspeise, Hauptgericht und Dessert.
„On mange bien en France“, erklärte die Chefin des Hauses, Mme Bloin,
während die Gäste genüsslich ihren Wein schwenkten und der Duft nach Knoblauch und Meeresluft durch den Raum zog.

Die nächste Lektion kam mit dem Baguette.
Als ich es mit dem Messer schneiden wollte, erstarrte der Lehrling Michel.
„Mais non! Ein Baguette bricht man!“ – und er demonstrierte es mit der Inbrunst eines Priesters bei der Messe.

Doch der wahre Wendepunkt waren die Krabben.
Anfangs servierte ich mehr Schale als Fleisch, doch mit der Zeit wurde ich zur Zerlege-Meisterin.
„Pas mal“, lobte der Chefkoch schließlich – das höchste Kompliment, das man in einer französischen Küche bekommen kann.

Als ich wenige Monate später mein Studium begann, hatte ich nicht nur mein Französisch verbessert,
sondern auch verstanden:
In Frankreich ist eine Mahlzeit keine Unterbrechung des Tages – sie ist sein Höhepunkt.
Und bis heute kann ich kein Baguette mehr sehen, ohne es mit den Händen zu brechen.

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