Die geheimen Weihnachtsprotokolle einer professionellen Geschenkeeinpackerin

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Es war Heiligabend 2000, und während in Deutschland wahrscheinlich irgendjemand „Stille Nacht“ auf einer Blockflöte quietschte, erlebte ich mein ganz eigenes amerikanisches Weihnachtsmärchen:
Ich wurde zur inoffiziellen Geschenke-Einpackzentrale des Hauses Didone ernannt.

Vor mir türmten sich Berge von Spielzeug – und zwar nicht für ein, nicht für zwei, sondern für drei Kinder (von denen zwei nur zeitweise dort waren). Die Kinderzimmer waren längst voll ausgestattet. Das vierte Zimmer?
Ein Museum kindlicher Konsumkultur.
Dort standen Spielzeugreihen wie Ausstellungsstücke, fein sortiert, unberührt, bereit für… tja, wofür eigentlich? Sicher nicht zum Spielen.

Amerikanische Weihnacht à la Didone

„Packst du das noch ein?“ fragte Mona und schob mir eine weitere Barbie wie am Fließband zu.
Ich nickte brav. Schließlich war ich ja die Europäerin – und wir sind bekanntlich Meister im Verpacken.
Origami-Level: Weihnachtswichtel.

Während ich Geschenkpapier in Akkordarbeit falten lernte, füllte sich der Kamin mit glänzenden Paketen. Ein wahrer Spielzeugberg, so groß, dass er fast die Schwerkraft beleidigte.

Die Pointe des Abends?
Am nächsten Morgen flog die Familie gut gelaunt nach Puerto Rico:
„Wir machen Urlaub!“
Zurück blieb ich – mit meinem eigenen Weihnachtsgeschenk in der Hand:
Eine liebevoll zusammengestellte Dollarstore-Tüte.
Darin:
Ein Notizblock (für alles, was ich mir nicht leisten konnte)
und ein Stift (um es aufzuschreiben).

 
  💭
  Gedanke zum Mitnehmen
 
 
Manchmal decken festliche Rituale schonungslos auf, wie unterschiedlich Wertschätzung empfunden und ausgedrückt wird.
Doch genau solche Momente helfen uns, unsere eigenen Grenzen, Werte und Bedürfnisse klarer zu sehen.
Denn wer erkennt, was wenig zählt, kann leichter erkennen, was wirklich zählt.

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