Als ich beim Hospitieren in die Fettnapf-Falle trat
Während ich brav in Carolines Unterricht zwischen den Schüler*innen saß, begann ich – statt aufmerksam zuzuhören – heimlich Notizen für meine eigene Stunde zu machen, ihre Methoden zu analysieren und sogar mein Skript zu überarbeiten.
Plötzlich spürte ich eiskalte Blicke: Die amerikanische Mentorin, eine respektheischende Veteranin, durchbohrte mich mit den Augen. „Was zum Teufel machst du da?!“ schien ihr Blick zu sagen.
Nach dem Unterricht fauchte sie: „In meinem Klassenzimmer bereitet man nicht seinen eigenen Unterricht vor – man respektiert die Lehrerin!“
Ich war perplex – mir war nicht klar, dass mein „Multitasking“ als Affront galt.
Am nächsten Tag entschuldigte ich mich formell. Wenig später drückte sie mir einen handgeschriebenen Brief in die Hand:
„Ihr Rückgrat, zuzugeben, dass Sie falsch lagen, zeigt mehr Charakter, als Sie denken. Das macht eine großartige Lehrkraft aus.“
Bei unserem nächsten gemeinsamen Mittagessen saßen wir nebeneinander, lachten über die Missverständnisse und tauschten Unterrichtsideen aus.
Die anfängliche Spannung war verflogen – geblieben war gegenseitiger Respekt.
Die Lektion? In manchen Kulturen gilt Hospitieren als stille Beobachtung – Eigeninitiative kann als Respektlosigkeit missverstanden werden.
Oder vielleicht war sie einfach besonders respekthungrig.

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Gedanke zum Mitnehmen
Manchmal liegt die wahre Lektion nicht im Unterrichtsplan, sondern im Missverständnis dazwischen.
Wer lernen will, muss auch lernen, sich selbst mit Humor zu sehen.






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